Wer als Unternehmen Strom einkauft, sollte ihn ausschreiben statt zu verlängern. Eine strukturierte Stromausschreibung bringt echten Wettbewerb unter die Versorger – und senkt die Energiekosten spürbar. So läuft sie in sechs Schritten ab.
Warum eine Ausschreibung besser ist als der Tarifvergleich
Bei gewerblichen Verbräuchen entscheiden schon kleine Preisunterschiede über hohe Jahresbeträge. Ein Online-Tarifvergleich bildet den echten Beschaffungsmarkt nicht ab: große Verbräuche, individuelle Lastprofile und Vertragsbedingungen bleiben dort außen vor. Bei einer Ausschreibung konkurrieren dagegen zahlreiche Versorger aktiv um Ihren Bedarf – das ist der entscheidende Unterschied.
Die sechs Schritte einer Stromausschreibung
1. Bestandsaufnahme
Zuerst werden die Grunddaten erfasst: Jahresverbrauch, Zählerart (registrierende Leistungsmessung RLM oder Standardlastprofil SLP), Lastgang, Anzahl der Abnahmestellen und die aktuelle Vertragslaufzeit inklusive Kündigungsfrist.
2. Strategie festlegen
Je nach Verbrauch und Risikoneigung wird die passende Beschaffungsform gewählt – Festpreis, Tranchenmodell oder Spot-Index. Auch das Timing spielt eine Rolle, weil sich der Strommarkt laufend bewegt.
3. Ausschreibungsunterlagen erstellen
Verbrauchsdaten und Rahmenbedingungen werden zu einer sauberen Anfrage gebündelt, die alle Versorger auf derselben Grundlage kalkulieren können. Nur so sind die Angebote wirklich vergleichbar.
4. Angebote am Markt einholen
Die Anfrage geht in den aktiven Wettbewerb einer Vielzahl von Versorgern. Erstindikative Preise liegen in der Regel innerhalb von 48 Stunden vor.
5. Angebote vergleichen und verhandeln
Die Angebote werden nicht nur nach dem Arbeitspreis bewertet, sondern nach dem Gesamtpaket: Vertragslaufzeit, Preisbestandteile, Flexibilität und Bonität des Versorgers.
6. Abschluss und Wechsel
Nach Ihrer Entscheidung wird der Vertrag abgeschlossen und der Wechsel abgewickelt – ohne Versorgungsunterbrechung, da der Netzbetreiber unverändert bleibt.
Ab wann lohnt sich eine Stromausschreibung?
Sinnvoll ist eine professionelle Beschaffung ab rund 50.000 kWh Jahresverbrauch, richtig spannend ab etwa 250.000 kWh. Bei Bündelmodellen über mehrere Standorte ergeben sich Vorteile oft schon darunter.
Was kostet die Begleitung durch einen Energievermittler?
Für den Kunden ist die Beratung in der Regel kostenfrei – vergütet wird der Vermittler im Erfolgsfall vom Versorger, vergleichbar mit einem Versicherungsmakler. Wichtig ist, dass unabhängig ausgeschrieben wird, damit kein Interessenkonflikt zulasten des Preises entsteht.
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